Art
363 PIECES FOR PEACE!
Dreihundertdreiundsechzig Kriege gibt es weltweit – diese gewaltige Zahl ist allein schon unglaublich, beeindruckt aber umso mehr, wenn die Vorstellungskraft des Betrachters eine bildliche Unterstützung erhält, veranschaulicht durch 363 kleine farbige Glasstücke. Jedes für sich allein versinnbildlicht Frieden, alle gemeinsam stehen für Frieden und sind zugleich ein Aufschrei gegen Gräuel des Krieges.
Trotz der schweren Thematik sind die typischen Merkmale des Glases in diesem Werk nicht verfremdet worden.
Die Glasobjekte und Installationen von Mary Sych zeigen sich oft glasklar oder farbig, edel oder nützlich, verspielt oder verspiegelt. Die Künstlerin verwendet souverän verschiedene Glastechniken.
Die 363 Glasteile für diese Installation wurden in Glasfusingtechnik angefertigt. Klares Glas wird zugeschnitten auf ein Maß von 3x6 cm, danach erfolgt der Zuschnitt von farbigen Quadraten, Dreiecken oder Rechtecken. Diese werden auf der meist klaren Grundfläche angeordnet und geschichtet. Durch diese Überlagerungen der einzelnen Glasteile entstehen neue Farbabstufungen, aber auch weitere Dreiecke, Streifen oder Quadrate. Nach dem Fusingbrand bei ca. 780 C° sind die dreifach geschichteten Glasteile zu einem Glasstück verschmolzen, die vormals scharfkantigen Ecken und Glaskanten gleichmäßig abgerundet. Die farbigen Stücke – „Pieces“ gegen das Licht gehalten oder wie hier auf einem Spiegel präsentiert erscheinen farbintensiver und leuchtender als vorher.
Auf vier schweren Podesten liegt ein weiß gerahmter Spiegel, gaukelt eine strahlende Leichtigkeit vor, die der düsteren Bedeutung des Ganzen widerspricht, trägt die glatten, farbenfrohen Licht reflektierenden Glasteile, die abgerundet sind, nirgends anecken und kalt bleiben, wenn sie nicht berührt werden, wenn wir ungerührt bleiben. Die einzelnen Glasteile verleiten tatsächlich zum Spielen und Ordnen, können immer wieder vertauscht und neu angelegt werden. Sie ruhen daher nicht wirklich in dieser zerbrechlichen Welt. Wurden sie auf einem Spiegel arrangiert, um uns den Spiegel vorzuhalten?
Wir sehen den Widerspruch in Darstellung und Bedeutung, sind irritiert, weil das Düstere, Bedrohliche und Grausame durch etwas Strahlende, Harmlose und Heitere versinnbildlicht wird. Aber genau dieser Widerspruch regt zum Nachdenken an. So viele Probleme werden oft übersehen, nicht wahrgenommen oder sogar verharmlost. Am schlimmsten ist oft die eigene Hilfslosigkeit.
Wir alle wünschen uns Frieden. Frieden, auf den Menschen in Kriegsgebieten hoffen. Frieden, den die Menschheit braucht, um die von ihr geschaffenen Probleme zu lösen.
Die Installation „A Piece for Peace!“ ist ein Mahn - Werk gegen Ausufern von Gewalt im heutigen Zeitalter und ein Aufruf für Frieden zugleich.
Irene Kress-Schmidt, M.A. Kunsthistorikerin
„Aufbruch: nicht schon wieder!“
Nach der Veröffentlichung des Geheimtreffens von Rechtextremisten in Potsdam im Januar dieses Jahres ließ mir der Begriff „Remigration“ keine Ruhe mehr. Bei Durchsicht des Nachlasses meines Großonkels fand ich den standesamtlichen Ahnenpass sowie ein Foto meiner Großtante und beschloss diese Dokumente für die Ausstellung aufzubereiten. Ein weißer Objektrahmen wurde komplett verglast um einen leichten schwebenden Eindruck entstehen zulassen. Die vordere Scheibe aus Verbundsicherheitsglas fast aufgebrochen, mit sternförmigen Sprüngen entstand nach mehreren Versuchen an VSG Gläsern, welche bewusst zerstört wurden. Anstelle einer handelsüblichen Rückwand wurden zwei Floatgläser mit Foliendruck eingesetzt um einen dokumentarischen Charakter zu vermitteln.
Bei dem Umsetzungsprozess dieser Arbeit haben mich viele Mitmenschen, darunter Freunde und Bekannte begleitet: allgemein konnte ich zu diesem Thema große Unruhe, Besorgnis aber auch Angst erkennen. Umso wichtiger erscheint es mir diese Erfahrungen und den persönlichen familiären Bezug in einen aktuellen Kontext zu stellen.
REFLEXIONEN³
Ein sechseckiges Gewächshaus wurde anstelle von Glas mit ESG Chromspiegel (innen und außen) versehen und aufgebaut. Die 12 Dachpaneele bekamen zusätzlich eingefügte Spiegelstreifen (7x1200mm) um den Effekt zu vergrößern.
Durch die Spiegelungen entstehen drei unterschiedliche Reflexionen. Zum einen spiegelt sich die Außenwelt/Umgebung in den Scheiben des Gewächshauses, zum anderen die Innenwelt d.h. Betrachter*innen haben die Möglichkeit das Gewächshaus zu betreten, sich zu setzen oder zu legen. Die Spiegelung der Person selbst im Innenraum ist die zweite Reflexion. Die dritte, die mentale Reflexion: Erfahren einer ungewöhnlicher Raumsituation, das Bewusstsein z.B. mit Blick nach außen bei geöffneter Tür, sich Zeit nehmen zum Sammeln der Gedanken, Reflektieren oder gar Meditieren.
Hier der Link zur Projektseite von Pilkington: Link
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"14 Days"
Die letzten zwei Wochen vor dem Geburtstermin sind meist spannend: die werdende Mutter wird von Familie, Freunden, Bekannten, Nachbarn kurz dem persönlichen Umfeld mit großer Anteilnahme gefragt: wann es denn so weit sei - wie man/frau sich fühlt - ob sich das Baby schon gedreht hat - wie war dein Tag heute? usw. Das kann durchaus zu einer Unruhe bzw. Anspannung führen. Fast jeden Tag die gleichen Fragen. Und ja, keiner tut dies in unguter Absicht, man ist besorgt, in freudiger Erwartung, fiebert mit, hilft, kurzum die Anteilnahme ist groß.
Um das tägliche „Frage-Antwort-Spiel“ zu vereinfachen wurde das Ganze auf Symbole reduziert. Das heißt farbige Kreise bedeuten alles läuft rund, farbige Quadrate bedeuten da läuft was unrund, also „eckt an“. Am Ende des Tages gibt es ein Resümee. WhatsApp mit seinen bunten Symbolleisten und den vielen Emojis erschien mir als einfachste Form für die Umsetzung des Projekts. Dokumentiert wurden nun die letzten zwei Wochen vor der Geburt.
Start war am 1.Februar, der vorausgesagte Geburtstermin der 14. bzw. 15.Februar 2023. Anmerkung: der 15.2. ist ebenfalls Geburtstag des Vaters und dessen Mutter.
Es kam anders als gedacht: am 25.2.2023 also 10 Tage nach dem offiziellen Geburtstermin kam Karl Ferdinand auf die Welt. Der farbige Druck auf Aludibond zeigt die Zusammenfassung der 14 Tage vor der Geburt auf dem Smartphonedisplay.
„14 Days“
Ein Projekt von Mary Sych / Februar 2023
Haarsträubend
Beteiligung an der Plakataktion zum Erhalt des Museums Frauenkultur Regional - International im Marstall Schloss Burgfarrnbach
Graffiti
Ein Thema welches mich schon seit längerer Zeit beschäftigt (obwohl ich meistens mit Glas arbeite) ist das Thema GRAFFITI: In der öffentlichen Wahrnehmung meist als eine Form von Vandalismus betrachtet, mittlerweile jedoch zu einer anerkannten Kunstform etabliert.
Joseph Kyselak, 1799-1831 gilt als erster Tagger, also jemand der „nur“ seinen Namenszug KYSELAK an den schier unmöglichsten oder besser gesagt schwer erreichbaren Orten in Europa hundertfach in Großbuchstaben hinterließ. Harald Naegeli, der ‚Sprayer von Zürich‘, platzierte seine Strichfiguren auf Wände in diversen Großstädten. Wegen seines Graffitis wurde er 1981 zu neun Monaten Haft und 206.000 Franken Strafe verurteilt. Banksy, weltweit bekannt geworden durch seine Schablonengraffitis, welche derzeit bei Galerien Höchstbeträge erreichen, sind nur drei Beispiele aus der Graffitiszene. Frauen sind diesem Bereich eher weniger vertreten, Lady Pink war eine der ersten namhaften Graffitikünstlerinnen in New York.
Ein Graffiti ist meist von nicht allzu langer Lebensdauer: es wird bewundert, geliebt und gehasst, wird verändert, überklebt, übersprüht, wächst, „lebt“ und irgendwann wird es entfernt. Und das wäre in diesem Falle einfach zu schade. Denn der hier gezeigte vergrößerte Ausschnitt eines Graffitis stammt aus dem Londoner Stadtteil Shoreditch, war unscheinbares Detail, bringt jedoch durch seinen humorvollen, wie ich finde fast schon philosophischen Hintersinn und dem „braven“ THANK YOU wunderbaren Sinn ins Straßenleben:
„Please, wait here until you are useful-thank you“
Aus der Fotograffitiserie Paris-London-Nürnberg (2012-2016), UV-Direktdruck auf Acrylglas 5mm, Abm. 40x40 cm
Paris - London
Glas
1."Rays of Aiptasia"
Inspiriert von den Korallenwelten - speziell den Seeanemonen, entstand diese filigrane Arbeit. Über 100 tentakelgleichen Arme der Aiptasia (auf Deutsch Glasrose) wurden aus klarem Brosilikatglas am Gas-Sauerstoffbrenner nachgebildet und auf einem handgezogenen Silberdraht aufgereiht. Die gläsernen Arme umschmiegen sanft den Hals des Modells und berühren die Haut nur punktuell, so entsteht der Eindruck des Auf- und Abschwingens der feinen Fangarme der Aiptasia unter Wasser.
2. "La Faim Du Monde"
3. "split and torn"
4. "Corona aussitzen!"